Nur jedes dritte deutsche Unternehmen verfügt über eine Social-Media-Strategie. Und sogar nur jede zehnte Firma stellt zusätzliche finanzielle Mittel dafür bereit. Das ergab die Umfrage “Social Media in Unternehmen” der dpa-Tochter news aktuell und Faktenkontor, an der sich mehr als 1.700 PR-Experten beteiligten. Planloses Agieren führt zumeist nicht zum Erfolg, sondern eher zum Fiasko. In diesem Beitrag erhalten Sie einen Überblick, wie man Social-Media-Strategien systematisch entwickelt. Es handelt sich um einen Auszug aus dem Buch: „Social Media für Unternehmer: Wie man Xing, Twitter, Youtube und Co. erfolgreich im Business einsetzt“ von Claudia Hilker.
Entwickeln Sie Ihren Erfolgsplan
Wer immer noch zweifelt, zögert und zaudert, ob er mit seinem Unternehmen in die Social Media Welt einsteigen soll, der verschlechtert seine Position, weil er von seinen Wettbewerbern überholt wird und die Pole-Position bereits vergeben ist. Natürlich wird auch außerhalb Ihres Unternehmens über Ihre Marke geredet. Vielleicht sind Ihre Mitarbeiter dort auch schon präsent. Entschlossene Unternehmer, die neue Chancen nutzen wollen, sind dabei im Vorteil, wenn sie einen Plan haben.
Fehler können teuer werden
Social Media existieren schon jahrelang. Deshalb werden Fehler heute nicht mehr so leicht verziehen. Sie fallen sofort auf, können die Reputation beschädigen und somit die Kompetenz des Unternehmens in Frage stellen. Negativ-Beispiele dazu gibt es reichlich. Unternehmen, die das dynamische Social-Media-Umfeld ohne Strategie nutzen, erleiden leicht Schiffbruch. Ohne durchdachten Plan bleibt der Geschäftserfolg aus. Wenn sich Ihr Social-Media-Engagement für Sie rechnen soll, dann erstellen Sie einen Plan. Definieren Sie Ihre Unternehmensziele und Ihre Meilensteine zum Erfolg.
Ihr Social-Media-Konzept
Um einen strategischen Ansatz zum systematischen Leitfaden zu gewinnen, ist zunächst eine Definition der verfolgten Ziele erforderlich. Fehlt diese Grundlage, so kann der Social-Media-Einsatz nicht bewertet werden. Die Fragen können beispielsweise lauten:
- Was wollen Sie mit Social Media erreichen?
- Wie definieren Sie Ihre Erfolgskriterien?
- Wie stellen Sie die beständige Kommunikation und Interaktion mit Ihren Kunden sicher?
Welche Ziele wollen Sie konkret damit erreichen?
- Sie wollen neue Mitarbeiter gewinnen.
- Sie wollen Ihre Produkte an neuen Märkten lancieren.
- Sie wollen durch einen guten Ruf neue Kunden gewinnen.
- Sie wollen sich selbst präsentieren und hochwertig positionieren.
- Sie wollen Ihre Kunden mit zusätzlichen Informationen und Unterstützung versorgen.
Social Media eignen sich auch für kleine Unternehmen
Wer immer noch denkt, Social Media seien nur etwas für größere Unternehmen, liegt falsch. Auf die Unternehmensgröße kommt es dabei nicht an, da es keine großen Budgets für kostspielige Print-, TV- oder Radio-Schaltungen braucht, um in Social Media auf Ihr Unternehmen aufmerksam zu machen. Allerdings brauchen Sie personelle Ressourcen, Know-how und Erfahrungen. Natürlich bleibt eine attraktive und aktuelle Firmenwebsite trotz Social Media obligatorisch und wichtig.
Kunden nutzen Social Media als Informationsquelle
Sie verschaffen sich in sozialen Netzwerken einen Marktüberblick über Dienstleistungen und Produkte. Damit bietet sich für Unternehmen die Möglichkeit, die anvisierte Zielgruppe auch hier gezielt auf die Firma aufmerksam zu machen. Social-Media-Marketing ermöglicht, die wichtigsten Meinungsführer zu erreichen. Das führt zu einer Verbesserung der Besucherzahlen der Firmenwebsite, hilft bei der Kunden-Akquise und steigert den Bekanntheitsgrad. Es ermöglicht den Aufbau und die Pflege einer positiven Reputation.
Social Media eröffnen neue Chancen
Insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen mit kleinem Budget profitieren. So bietet beispielsweise Twitter zahlreiche Möglichkeiten für Recruiting und Mitbewerber-Beobachtung. Es kann als Nachrichten- und Kommunikationskanal dienen. Allerdings sind damit die Potenziale durch soziale Aspekte wie Interaktion noch nicht ausgeschöpft. Kleine und mittelständische Unternehmen sollten sich auf jene Plattformen konzentrieren, die zu ihren Produkten passen und auf denen sich die Zielgruppe auch tatsächlich informiert. Beispielsweise kann Qype ein interessantes Netzwerk für lokales Marketing sein.
Vorteile einer Social-Media-Strategie
Mit einer Social-Media-Strategie gelingt es Ihnen leichter, Ihre Unternehmensziele zu erreichen. Üblicherweise enthalten Marketing-Strategien: Ziele, Strategien und Maßnahmen. Ausgangsbasis bildet der Ist-Zustand. Die Ziele werden oft als Soll-Zustand beschrieben. Bei der Social-Media-Strategie gilt es allerdings einige Besonderheiten zu beachten. Das Grundprinzip der treibenden Kräfte funktioniert anders. Bisher wirkten im Marketing das Push- und das Pull-Prinzip. Man pusht über unterschiedliche Kanäle einseitig die Angebote zum Kunden. Im Pull-Prinzip holt sich der Kunde die Informationen, die er braucht, aus seinem Lieblingskanal. Letzerer agiert selbständig, aktiv und autonom, so dass es gilt, Info-Angebote über die Leistungen als Selbstbedienung bereit zu halten.
Wissen teilen – statt horten
Im Social-Media-Marketing gilt das „Share“-Prinzip. Die User verlinken und vernetzen sich und empfehlen ihre Informationen oder Produkte über die Funktion „Teilen“ weiter. Deshalb sind diese Netzwerke so wichtig. Der Share-Prozess lässt sich im Internet auch automatisieren, wenn Sie von Plattform zu Plattform weitergeleitet und automatisch eingeloggt werden. Facebook ist prädestiniert dafür. „Share“, also das Teilen macht Social-Media-Marketing aus. „Social“ meint also nicht nur soziales Verhalten mit ethischem und moralischem Verantwortungsgefühl, um zwischenmenschliche und vertrauensvolle Beziehungen aufzubauen, sondern meint auch, Wissen zu teilen, statt es zu horten.
Empfehlungsmarketing in Social Media
Als treibende Kraft wirkt das Empfehlungsmarketing, das auch word-of-mouth oder virales Marketing genannt wird. Wenn Ihr Kunde sagt: „Wow, das war richtig klasse!“, weil er begeistert ist von Ihrem Unternehmen, Ihren Leistungen oder Ihnen als Person, dann wird er Sie gern weiter empfehlen. Begeisterungsfaktoren können sein: ein innovatives Produkt, ein hervorragender Service oder ein besonderes Erlebnis.
Ein Erfolgsbeispiel für virales Marketing: Horst Schlämmer
Denken Sie etwa an den Horst Schlämmer Film beim Gebrauchtwagenkauf: ein Video von VW, das bei YouTube über 600.000 Mal angeschaut wurde. Ein echter viraler Erfolg! Es ist ein gutes Beispiel dafür, wie man mit geringem Budget viel erreicht. Warum wurde der Film empfohlen? Weil die Figur Schlämmer lustig und originell ist. Und wer will seine Freunde nicht zum Lachen bringen? Sie brauchen also gute Storys, die oft und gerne weiter erzählt werden. Story-Telling ist deshalb im Social-Media-Marketig ein wichtiger Erfolgsfaktor.
Mitmachen ist eine weitere Besonderheit
Social Media spornen den Dialog mit Kunden an. Storys werden weitererzählt und die Kosten für Werbung werden reduziert. Die Integration externer Kräfte (User) wird durch unterschiedliche Interaktionen bewirkt: virale Effekte, Mitgestaltung von Produkten (Crowdsourcing) und auch redaktionelle Inhalte (User Generated Content). Social Media haben eine Eigendynamik, die nicht hundertprozentig steuerbar ist und so manch einem Marketing Manager großes Unbehagen bereitet …
Partizipation der User
Die Einbindung externer Gruppen sorgt oftmals für Vorbehalte im Unternehmen, weil Ängste durch den Kontrollverlust über die Markenbildung entstehen. Dabei sind die Chancen zur Mitgestaltung weitaus höher als die Risiken, wenn man eine professionelle Strategie als fundierte Basis entwickelt. Partizipation der User, Kooperation und Kommunikation auf Augenhöhe sind dabei die Schlüssel zum Erfolg. Bedenken Sie: Ohne virales Marketing verschenken Sie den Löwenanteil Ihres Erfolgs. Und wichtig ist auch, dass die Social-Media-Strategie in Ihre Unternehmensstrategie eingebettet ist, damit wirklich die Geschäftsentwicklung gefördert wird. Sie gewinnen somit Einflussnahme und Meinungsmache.
Die noch recht junge Social-Media-Disziplin hat noch einige Aufgaben zu erledigen. Neben professionellen Social-Media-Strategien mangelt es an der Messbarkeit. Die Bewertung von Zielen, Erfolgen, Reichweiten und ROI steckt noch in den Kinderschuhen. Zurzeit gibt es noch keine allgemeingültigen Grundlagen dafür. Deshalb ist es wünschenswert, dass es in Zukunft einheitliche Berechnungsgrundlagen mit anerkannten Kennzahlen gibt.
Dennoch lassen sich viele Ziele mit Social Media realisieren – eine entsprechend sorgfältige Strategie und Planung immer vorausgesetzt. Wer bei seiner Strategie-Entwicklung Menschen in den Mittelpunkt stellt, hat gute Chancen, aus Kontakten nachhaltige Kundenbeziehungen zu schmieden. Durch Branding, Reputation und Präsenz in Social Media lassen sich neue Kunden gewinnen und binden.
Sieben Praxis-Tipps für Social-Media-Strategien
1. Bieten Sie Ihren Fans exklusive Incentives an.
2. Liefern Sie aktuellen und interessanten Content.
3. Motivieren Sie Fans, User-Generated-Content zu produzieren.
4. Bitten Sie Fans um ihre Meinung, und zwar um ehrliches Feedback.
5. Nutzen Sie passende Applikationen zur Kampagnen-Unterstützung.
6. Verwenden Sie Tools für Empfehlungsmarketing auf sozialen Netzwerken.
7. Verlängern Sie klassische Kampagnen durch Social Media zur Optimierung der Wirkung.
Ausblick: Eine Social-Media-Strategie reicht nicht aus
Die neuen Plattformen müssen auch regelmäßig mit aktuellen Inhalten bespielt werden. Wichtig ist deshalb Social-Media-Content mit Qualität, Aktualität und Kontinuität. Dabei sind der ständige Dialog sowie Erfolgskontrollen notwendig. Erfahren Sie mehr darüber im Seminar Social-Media-Content von Claudia Hilker.
Mehr Infos über Claudia Hilker
Die Unternehmensberaterin, Buch-Autorin und Social-Media-Expertin Claudia Hilker berät mit ihrer PR-Agentur Hilker Consulting Kunden in der strategischen Marketing-Kommunikation. Claudia Hilker entwickelt Konzepte, Content und Relations. Sie gibt auch Workshops, Seminare und hält Vorträge.
Weitere Beiträge zum Thema von Claudia Hilker
- Social Media Vertrieb: http://socialmedia24.eu/vertrieb/social-media-vertrieb-wird-in-vielen-unternehmen-vernachlassigt-106
- Chancen und Risiken von Social Media: http://socialmedia24.eu/vertrieb/chancen-und-risiken-von-social-media-im-vertrieb-81
- Social Media für Unternehmer: Leseprobe aus dem Buch: http://socialmedia24.eu/social-media/social-media-fuer-unternehmer-226
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